Wie denkt man eigentlich quer???

Heute nachmittag die Sonnenstrahlen nochmal genießend, draußen in einem Café. Direkt hinter mir ein Pärchen (oder eben noch nicht???) die zugegebenermaßen das Klischee lebten. ‚Er‘ schwang riesige Reden und ‚Sie‘ klebte an seinen Lippen. Nun ja, irgendwie klebte ich (mein Ohr) auch an seinen Lippen, denn der gute Mann bezeichnete sich in jedem 3ten Satz als ‚Querdenker‘.

Öhhm– – was? Leider und justamente als ich interessiert genug war um mich umzudrehen und ihn zu fragen was denn ein Querdenker sei und wie man das denn so macht gingen sie. Mist. Mach ich mir jetzt eben alleine meine Gedanken. Also, und…..

… hmmm. Zunächst verfolge ich i.d.R. und primär meinem eigenen Gedankenstrang. Und der ist nach Hoffmann von Fallersleben frei. Obwohl zu seiner Zeit eben jener das nicht war (siehe die deutsche Revolution 1848/49, doch dazu später)

Ich habe also einen Gedanken. Ich betrachte diesen von allen Seiten, lese einiges und stelle dann irgendwann fest, daß mir zu einer These Informationen fehlen. Ich stelle meinen Gedanken Freunden vor. Jeder trägt etwas aus seinen Überlegungen und Erfahrungen bei. Wieder zuhause reicht mir das noch nicht. Ich frage im Netz. Veröffentliche also meinen Gedanken und erhalte günstigen Falles konstruktive Antworten. Aus allen Informationen bildet sich meine Meinung, evtl. sogar ein Prinzip. Je nach Intelligenz und Wichtigkeit wird die These nach einiger Zeit und weiteren Erlebnissen und Diskussionen neu überdacht.

So. These gut — ich nehme Selbige weiterhin für mich an. These doof— ganzes Prozedere nochmal. Aber was muss ich da explizit als Querdenken bezeichnen? Es ist doch immerhin meine These, gebildet aus Information die mich niemand zwingt anzunehmen.

Oder, jetzt mal den fiesen Fall angenommen, bedeutet Querdenken sich auf den Mittelpunkt des Universums zu reduzieren und zu glauben, daß nur ich die Einzige bin die unreflektiert die Wahrheit, die absolute und richtige kennt?

Bei Hoffmann von Fallersleben hatte Querdenken m.E. noch eine Berechtigung. In einer Zeit in der Monarchie und damit auch Diktatur die Gedanken und die Bildung derer, die Informationen und die dazu erforderliche Recherche einer Lösung kompliziert waren und Bildung außerdem nicht für jedermann gegeben, scheint mir Querdenken eine Berechtigung zu haben. Zumindest wenn ich davon ausgehe, daß diese mit Ideen gleichzusetzen waren, die eben nicht der allgemeinen vorherrschenden Meinungen entsprachen.

Aber wir? Wir befinden uns in einer Demokratie in der innerhalb der Zivilisation Rechte und Wege um diese einzuklagen zu Verfügung stehen. Zumindest in Deutschland. Ich brauche kein Parteibuch mehr, um dort und dort zu arbeiten. (Und das war z.B. vor 25 Jahren durchaus noch anders). Wenn ich gegen irgendeine politische Entscheidung demonstriere, werde ich nicht automatisch verhaftet. Ich darf sie laut herausschreien. Gegen welchen Strom will ich denn noch schwimmen? Ich lebe in einer Zeit in der die Subkultur längst mit der formalen Gesellschaft fusioniert hat. Sie längst eingeholt wurde.

Ich habe das Gefühl, daß ‚Querdenken‘ eher einer political Correctness entspricht, als umgekehrt und das die Bezeichnung eines sogenannten Querdenkers eher die Befriedigung der eigenen Eitelkeit dient. Ich verstehe das mit dem Querdenken nicht. Wo sind die neuen Ideen? Wo ist die revolutionäre Innovation?

Eine Legitimation des Querdenkens fällt mir doch noch ein. Wenn ich mich selbst herauslocke. Wenn ich mich selbst herausfordere, also dem quer-denke was ich im Normfall glaube. Nur interagiere ich im Grunde genommen hierbei nur mit mir selbst und letztendlich führt dieses wieder zu der Entstehung der oben genannten These.

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5 Gedanken zu „Wie denkt man eigentlich quer???

  1. „Ich habe das Gefühl, daß ‘Querdenken’ eher einer political Correctness entspricht, als umgekehrt und das die Bezeichnung eines sogenannten Querdenkers eher die Befriedigung der eigenen Eitelkeit dient.“

    JA!

    seh ich genauso ..dein Beitrag hat meine volle Zustimmung 😉

    Liebe Grüsse zu dir 🙂
    Ocean

  2. 🙂 man kann es nie allen recht machen. Fast immer fühlt sich irgendwer auf die Füße getreten, wenn man Stellung bezieht. Trotzdem ist gerade das wichtig, find ich ..dass man kein „Fähnchen im Wind“ ist.

    Einen schönen Wochenstart dir 🙂
    Liebe Grüße,
    Ocean

  3. gefällt mir hier-
    göttlich das foto von deiner mutter als junge frau auf dem auto! und der bericht hat mich sehr angerührt, weil meine ma auch vor einigen wochen starb- danke!
    habe diesen blog hier in meine blogroll aufgenommen….
    gruß von sonja

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