Kinderspiele— draußen!

Ich erinnere mich daran, daß wir im Sommer den ganzen Tag unterwegs waren. Wir haben im Wald alles mögliche gebaut und uns in jede Geschichte, Zeit oder in ein anderes Land gedacht. An Diskussionen ob wir bei Regen raus durften kann ich mich nicht erinnern. Ich glaube es wurde nicht so in Frage gestellt. Oder ich hab’s vergessen. Als Regenkleidung trugen wir gelbe XXL Ostfriesennerze und ich hatte noch einen knallroten Regenmantel. Pinke Regenhose mit Reflektoren in Form von Herzchen hätte damals auch kein Kind freiwillig angezogen. Wenn es diese überhaupt schon gab.

Mit meiner Freundin spielte ich oftmals ‚Eiskunstlaufen‘. Sie oder ich spielte Tina Riegel, den Namen ihres Partners habe ich vergessen. Wohl gemerkt wir tanzten ohne Kufen auf den Wegen herum und waren komplett im Spiel versunken.

Überhaupt spielten wir manchmal Bücher nach. Hanni und Nanni, die Dolly Bücher, 5 Freunde, Oliver Twist, Kim, etc. Der Büchereiausweis gehörte damals zur Standardausrüstung eines Kindes. Wobei ich mich daran erinnere daß ich die Enid Blyton Bücher heimlich lesen musste, Mum hielt sie nicht für pädagogisch wertvoll. Hatte sie wohl auch recht.

Mutter, Vater und Kind, Verstecken, Brennball, Völkerball, einiges davon mit den Älteren zusammen. Wir haben auch oft im Garten gezeltet und wurden dann ‚überfallen‘. Nicht so mein Ding, war/bin nicht so der Campingmensch.

Wir waren auch sehr häufig am Kanal, dort vor allen Dingen in den Kiesbergen. Aber das war mir eigentlich verboten, denn leider starben auch sehr viele Kinder im Kanal. Leider wirklich sehr viele. Das gleiche galt für den Fluss. Wir waren trotzdem dort.

Ich konnte auch gut mit mir alleine spielen. Ich habe stundenlang gelesen und mich weggeträumt. Oder riesige Legoanlagen gebaut. Musik war sehr wichtig für mich und schreiben auch. Fernsehen gab’s nicht. Das wurde bei uns streng reglementiert. Hält übrigens bis heute an. Die Glotze läuft niemals einfach so… . Später kamen dann die Pferde dazu und die mussten sowieso bei Wind und Wetter bewegt werden.

Und dann gab es da noch die Winter mit ihren riesigen Schneebergen in den 70ern. Wenn der Fluß über die Ufer trat und es schon richtig kalt war und alles einfror konnten wie kilometerweit Schlittschuhlaufen. Das war toll!! Schlittschuh sind wir den Winter über ohnehin gelaufen. Der See war jedes Jahr zugefroren (oder nicht??? hmm…)

Wir wurden selbst in jungen Jahren nicht v. Erwachsenen begleitet. Heute fällt mir auf, daß viele Kinder außerhalb ihrer Wgh immer v. Eltern, Kinderfrauen, Au Pairs, etc. beaufsichtigt werden. Wir waren auch in Musikschulen, gingen zum Ballet oder zum Sport, aber insg. nicht so durchorganisiert. Wir konnten uns freier entfalten und mussten auch bei Streit eigene Lösungen finden und natürlich stellten wir einen Haufen verbotener Dinge an.

Mäuseklingeln, Stinkbomben in Briefkästen und unter Fußmatten, Entführung von Blumenkübeln, Zigarettenautomaten mit Ketchup/Mayo/Senf beschmieren (also unter diesen Schubladen die herausgezogen werden mussten, so daß die Finger eingeschmiert wurden) gehörten zu den harmloseren Spielen. Zum Glück wurden wir nie erwischt als wir in den Neubausiedlungen die uns die Wälder wegnahmen die Häuser weiterbauten. Ganze Mauern sauber zementiert quer durch’s Wohnzimmer. Hihi!!

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Jetzt fällt mir noch eine total verrückte Geschichte ein. Ich spielte bei meiner Oma in der Strasse, als plötzlich ein Auto anhielt. Mann stieg aus und wollte mich überreden mit ihm ins Auto zu steigen. Ich wurde schon sehr früh auf derartige Situationen vorbereitet, schnappte mir ein bißchen Bausand und schleuderte diesen voller Überzeugung dem Mann in die Augen.

Meine Oma die gute 150m von mir entfernt das Trottoir fegte (das tat sie jeden Tag) rannte schreiend mit erhobenen Besen (diese fiesen roten) auf mich zu. Opa und 300 Nachbarn die durch das Gebrüll meiner Oma aufmerksam wurden rannten auch alle in meine Richtung. Mann flüchtete sich ins Auto und das Ende v. Lied war, daß der Typ zur Kripo gehörte und infolge eines Programmes (irgendwas mit ‚Sicherheit für unsere Kinder‘ oder so) Kinder und in diesem Fall mich testete. Und weil ich so professionell reagierte bekam ich 2 Kinokarten für Bambi. Den Film fand ich  saublöd.

Aber was ich eigentlich sagen will ist, daß es damals schon durchaus gefährlich war auf den Strassen zu spielen und solche Aktionen seitens der Kripo schon ihre Berechtigung hatten.

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4 Gedanken zu „Kinderspiele— draußen!

  1. schön, dass wir so oft gleiche erinnerungen teilen..
    ich lass dir mal meine rollschuhe hier *zwinker*
    eine gute n8 liebe martie..

    u.

  2. woww ..superspannend zu lesen, liebe Martie! Deine Sandschleuder-Aktion war super. Und natürlich kommt mir vieles bekannt vor ..

    klar, wir haben auch Bücher nachgespielt – auch die Abenteuer .. 5 Freunde und so. Hanni und Nanni, Dolly – davon hatte ich so ziemlich alle *g*

    konnte mich auch sehr gut träumend allein beschäftigen ..

    Beaufsichtigt sind wir nie worden .. heute ist das offenbar ganz anders. Und die Anti-Regendinger – klar, gelb *g*

    liebe Grüsse an dich 🙂
    Ocean

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