Musik ist mächtig und wunderbar…

Durch die gute Ocean denke ich gerade über Musik nach. Speziell für mich ist sie lebenswichtig. Aber allgemein inhaltlich einordnen kann ich das gar nicht, denn was wäre wenn ich gehörlos bin? Wie würde ich Musik überhaupt empfinden?

Gehörlose reagieren (meiner Erfahrung nach) sehr sensibel auf Lautstärke. Das hat aber eher was mit der rezeptiven Wahrnehmung zu tun. Feinste Vibrationen werden v Gehörlosen sofort aufgenommen und gedanklich sortiert. Also in diesem Fall Bässe! Ich könnte also die Unterschiede des Klanges identifizieren, ihn aber nur als Bestandteil eines Rhythmusses erkennen und nicht im Zusammenhang einer Melodie erfahren.

Melodien beeinflussen mich aber. Und da ich nicht alle Sprachen dieser Welt spreche, sprechen eben jene zu mir. Sie verändern meine Stimmung und beeinflussen mein Tun. Textlich kann das auch passieren, allerdings höre ich manchmal auch absichtlich lieber weg. Selbst wenn der Künstler einen guten Plot ansetzt, ist dieser manchmal furchtbar umgesetzt.

Wobei und das beeindruckt mich immer wieder, Musiker oder Texter es auch schaffen eine Geschichte in 3:25 min zu erzählen. Und diese fesselt mich dann auch noch oder verändert sogar mein Leben.

Ich bin überhaupt gar kein Herbert Grönemeyer Fan. Vermutlich funktionierte es deswegen auch, weil ich eben seine Musik nicht wirklich kenne. Ich find‘ den schon ok und wie üblich hat bei mir vieles und damit auch er seine Daseinsberechtigung, aber wirklich auseinandergesetzt habe ich mich nie mit seiner Musik. Das gleiche gilt für Moloko.

Es waren aber exakt 2 Musiktitel dieser beiden Interpreten die mich inspirierten und zwar stante pede meinen sicheren Arbeitsplatz zu kündigen und einen neuen Beruf zu erlernen.

Ich fuhr aus beruflichen Gründen mit dem Auto von A zu Firma zurück und war gar nicht mal schlecht gelaunt oder genervt. Dann hörte ich zuerst im Radio v Grönemeyer ‚Bleibt alles anders‘ und anschließend v Moloko ‚The Time is now‘. Und das habe ich dann postwendend umgesetzt. Auto in Fa geparkt, zum Chef gegangen und gekündigt.

Natürlich führte mich auch mein persönlicher Weg dahin. Diese Entscheidung schlummerte latent schon in mir, aber es war in keinster Weise abzusehen, daß das auch tatsächlich passieren würde. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt der, wenn ich darüber nachdenke sehr ungünstig war. Zumal ich auch noch gar nicht wusste wie mein weiterer Weg aussehen könnte. Und trotzdem brachten mich genau diese beiden Titel, vielleicht sogar in der gespielten Reihenfolge in diesem Moment dazu mein Leben zu verändern. Und das finde ich rückblickend schon ganz schön strange.

Nicht umsonst wird, bzw. wurde in der Geschichte mit Musik gearbeitet. Denken wir mal alleine an das Zusammenspiel von Märschen und Armeen. Filmmusiken, etc.

Ich behaupte hier bestimmt nicht, daß die Lebensqualität Gehörloser Menschen reduziert ist. Die perzeptive Wahrnehmung ist mit Sicherheit (die auditive ausgeschlossen) wesentlich ausgeprägter als bei mir. Und natürlich würde ich bei einer natalen Erkrankung den Zustand auch gar nicht anders kennen. Wobei es mir trotzdem unbegreiflich ist wie Beethoven (Musik ist höher als alle Offenbarung und Weisheit) die 9te Symphonie bereits gehörlos komponieren konnte… .

Aber der Verlust meines Gehöres würde mich traurig machen. Ich bin wirklich froh daß ich hören kann!

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3 Gedanken zu „Musik ist mächtig und wunderbar…

  1. Das ist sehr interessant, was Du hier schreibst. Ich kann das gut nachempfinden, denn ich habe es auch schon öfter erlebt, dass ich eine „Idee“ lange in mir trage, und dann plötzlich durch einen Impuls, den letzten notwendigen Schub bekomme um zu handeln.
    Liebe Grüße von:
    Beate

  2. Ach, was ich noch schreiben möchte: Mir hat die Musik früher oft geholfen, Erlebnisse, Ängste etc. zu verarbeiten. Ich habe damals oft auf meiner Gitarre gespielt und dazu gesungen. Mir fällt gerade auf, dass ich heute ganz andere Möglichkeiten zur Verarbeitung für mich entdeckt habe.

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