Wie fange ich jetzt am besten an und warum ist in mir alles so merkwürdig?

Eine chronologische Reihenfolge krieg ich nicht mehr zusammen, aber ich erinnere mich deutlich an einen Nachmittag draußen bei meiner Arbeit, wie jeden Tag gehe ich ein paar Schritte, aber plötzlich werde ich immer schneller und als ob ich mir diese Handlung befehle renne ich seitlich gegen einen Baum. Das tut weh. Ich bemerke dass ich schwanke, immer nach links drifte.
Das lass ich nicht zu. Ich konzentriere mich auf d nächsten Schritt, es ist wahnsinnig warm, es ist richtig heiß draußen, allen Menschen ist es zu warm und deswegen taumel‘ ich auch. Ich gehe Schritt für Schritt und das dauert ewig, ich suche die Tür und gehe langsam an der Wand entlang. Eine Kollegin bemerkt dass es mir nicht gut geht, eine andere bringt Traubenzucker. Eine weitere redet und redet und redet auf mich ein, ich nehme sie wahr, aber ich kann nicht aufnehmen was sie sagt, ich möchte sie am liebsten anschreien, sie soll endlich ruhig sein. Ich reiße mich zusammen, stehe auf und gehe wieder ganz langsam einen Schritt vor d anderen. Es wird gleich besser, gleich werde ich sicherer gehen können, ich muss einfach nur weitergehen, nicht stehen bleiben immer nur weitergehen und dann funktioniert es wieder. Es liegt alles nur an d heißen Sommer.

Einige Wochen später und nach der Knie OP

Ich habe Wasser in den Beinen. Das sind bestimmt 300 L und ich krampfe Nachts. Es beginnt immer in der linken Wade ganz unten. Es ist so schlimm dass nur Bewegung hilft. Ich laufe Stundenlang nachts durch die Whg. Ich erinnere mich, dass ich das schon einmal hatte, kurz vor der OP und da ließen sie sich auch schon nicht weg massieren.
Und jetzt müssen das Wadenkrämpfe sein. Das ist auch kein Wunder, ich liege bei 46° im Schlafzimmer und kann mich wg der OP kaum bewegen. Ich kaufe Magnesiumtabletten, aber sie helfen nicht. Die Krämpfe dehnen sich aus, nun krampft es auch unter meinem rechten Rippenbogen , dieses gleichzeitig zu der linken Wade. Das ist sehr blöd, denn jetzt kann ich nicht mehr mit den Gehhilfen laufen und ohne kann ich noch nicht.

Wenigstens ist meine Verzweiflung so groß, dass ich zu meinem Hausarzt gehe, der bestätigt aber nur, dass es sehr heiß ist und die Knie OP, und so weiter… . Er verschreibt mir Entwässerungstabletten, davon halte ich zwar generell nichts, nehme sie aber trotzdem. Ich schlucke noch mehr Magnesium, aber es hilft nicht.
In den kommenden Wochen nehmen die Krämpfe ein kaum zu ertragendes Ausmaß an, noch nie hatte ich derartige Schmerzen und ich bin jetzt jede Nacht hellwach. Ich krampfe jetzt mind. immer an 2 Stellen gleichzeitig, manchmal auch an 3 oder 4, dieses über mehrere Stunden. Es ist nicht mit einem Wadenkrampf vergleichbar. Es ist überhaupt nicht vergleichbar mit irgendetwas was ich kenne. Ich kann es nicht benennen und auch nicht mehr beschreiben. Das Wasser in den Beinen nimmt auch zu. Ich gehe zum zigsten Mal zum Arzt. Ich weise ihn nochmal auf ein Exem hin, aber er sagt, das wäre Nichts und die roten Punkte an meiner linken Wade wären petechiale Blutungen wg d Wasser. Ich sage ihm, dass mir immer noch furchtbar schwindelig ist. Es ist ein schwerer Schwindel, anders als alles was ich kenne und er taucht immer öfter auf. Er führt wieder Tests durch und wieder taumel ich nach links, falle fast in seinen Medikamentenschrank.

Ich sage ihm noch einmal dass ich jetzt wieder gegen Wände, Bäume oder was auch immer da links v mir rumsteht, renne. Und ich meine ‚Rennen‘, ich beschleunige regelrecht. Ich soll meine Tabletten weiter nehmen. Der Sommer ist einfach zu heiß. Und ich habe Übergewicht. Nächste Woche ist mein Urlaub zu Ende und ich muss wieder arbeiten, wie soll ich das denn schaffen?

Ein paar Tage später

Ich will die Kellertreppe hoch eilen. 5 Stufen und wie üblich zu spät, also ganz schnell und mein Rad fällt aus der Hand.
Ich sehe irritiert dem Rad hinterher, gehe zurück, hebe es auf, immerhin muss ich immer noch zur Arbeit, neuer Anlauf und dann fällt es wieder herunter. Das amüsiert mich und beim dritten Anlauf klappt es dann auch. Oben angekommen schwinge ich mich auf das Rad, ich bin wackelig, diese blöde Knie OP, dieser doofe Orthopäde, ich fahre zu Arbeit, arbeite, will nach Hause, schwinge mich wieder auf’s Rad und falle auf der anderen Seite herunter. Ich lache, liege dort wie eine Schildkröte.
Na gut– endlich nach Hause, noch einkaufen, ich schlafe fast auf d Rad ein. Dann werde ich Morgen einkaufen, offensichtlich bin ich zu müde. Ich muss früher ins Bett gehen.
Wieviele Tage später ich samt Rad die Kellertreppe herunterfiel weiß ich nicht mehr. Ich konnte mich sogar noch halten und fiel auf die Füße, zwar rückwärts aber naja. 2ter Anlauf, ich falle wieder, dieses mal falle ich auf das Rad und das tut weh, ein dritter Versuch, 3te oder 4te Stufe, dann knickt mein rechtes Bein ein.
Alles ist ganz ruhig. Ich nehme nur noch mich wahr, nur ich stehe mit gebeugtem Bein und rechts das Rad in der Hand. Ich atme kaum, bin tief in mir , beginne zu überlegen, rede mir zu: Das Bein hoch biegen….. Ganz langsam. Ich drücke und drücke das Bein hoch, aber das bleibt einfach so, das Rad in der Hand und sehr verwirrt steh ich dann so rum.
Ich versuche nochmal das Bein gerade zu drücken und nochmal und nochmal, immer, immer wieder.
Es bewegt sich. Gut. Jetzt das Rad loslassen und schnell mit der freien Hand an der Treppenwand abstützen. Wieviel Zeit vergangen ist weiß ich nicht, ich arbeite mich cm für cm auf zurück auf den Kellerboden. Dort stehe ich dann fast apathisch. Es ist immer noch alles ganz still, irgendwann spüre ich dass ich aus mir heraus will. Trotzdem scheint es ewig zu dauern bis ich endlich reagiere, ich hebe mein Rad an und schiebe es Stufe für Stufe nach oben. Endlich oben angekommen, bekomme ich mein rechtes Bein nicht über den Sattel, respektive Stange.

Das will ich so nicht! Langsam, ganz langsam suche ich die Wand, lehne mich an und ruhe mich an ihr aus, greife mit beiden Händen mein Bein, hebe es Millimeter über Millimeter über das Rad. Balanciere mich aus, setze mich vorsichtig auf d Sattel und stütze mich von der Wand ab. Yeah! Ich rolle. Die letzten Reste Verstand aktivierend meide ich Strassen und Menschen, fahre durch den Park und ziehe tatsächlich einfach alles durch.

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