Ziemlich verirrt

Ich schaffe es einfach nicht bei der Ärztin anzukommen. Ich fahre mit dem Rad, aber schon so lange. Als ob ich den Weg nicht finde. Ich stehe an einer Kreuzung, an der stand ich schon Millionen mal. Ich biege links ab, ich kann mich nicht mehr erinnern. Bin ich richtig? Ich sehe endlich die Hausnummer, aber ich bin auf der anderen Seite einer 5 spurigen Fahrbahn, ich hätte 150m zuvor an der Ampel überqueren müssen. Ich fahre einfach los. Ich schlängel mich durch die hupenden Autos. Als ich auf der anderen Strassenseite ankomme, fange ich an zu weinen. Ich weiß nicht mehr wo ich bin. Ich weiß tatsächlich nicht mehr wo ich bin! Ich schaue mich um, erkenne die Strassen, die Häuser, aber ich kann sie nicht zuordnen. Ich sehe alles nur ganz langsam und ich denke nur in dem Moment. Ich muss doch irgendwie reagieren! Ich weine nur. Dann komme ich wieder bei mir an, ich will zur Ärztin. Wo ist die Praxis? Ich konzentriere mich und endlich finde ich wieder das Haus und flüchte nahezu in d Praxis. Was ist das?

Gleich erschlage ich die Ärztin mit meinen zappeligen Beinen. Jetzt denke ich wieder an die Kellertreppe letzter Woche und an den Weg hierher. „Entschuldigung ich bin unkonzentriert. Ja, die letzte Untersuchung war….“
„Frau martie?“ Du meine Güte! „Entschuldigung, Heute ist wohl nicht mein bester Tag.“ Die Ärztin lächelt und ordnet Hormontests an. Irgendetwas will sie noch von mir. Ich soll mich umziehen, Klar, ich bin hier bei der Frauenärztin. Ich muss mich setzen, ich schwanke und schwanke und dann habe ich Teile des Vorhanges in der Hand. Was passiert hier gerade? „Nein das macht gar nichts“ Die Ärztin untersucht mich und ordnet zusätzlich Schilddrüsentest und Blutuntersuchung an. Sie fragt mich wieder, was los wäre. Ja,….. also gar nichts. Es ist zu heiß.

Von dort fahre ich mit dem Rad zur Arbeit. Zig Km, eine Strecke die ich sonst genieße, ich fahre gerne lange Strecken, aber jetzt komme ich nicht an. Ich trete und trete, sehe die Pedalen und trete und trete und trete, wie ein Mechanismus der mich fremdleitet. Ich versuche mich auf das Treten der Pedalen zu konzentrieren. Ich trete weiter und jetzt spüre ich einen Schlag aus meinem Rücken. Wie Elektrizität. Ich springe umgehend vom Rad und versuche meine Aufregung zu kontrollieren. Nochmal ganz vorsichtig, wie kam das? Ich habe nach unten geschaut. Also wiederholen. Es ist nicht da. Nochmal und es wiederholt sich wieder nicht. Prima, was immer es war, –- es ist weg.

Die letzten paar Schritte gehe ich zu Fuß. Bei meiner Arbeit angekommen setze ich mich auf eine Treppe und die Stimme in mir sagt immer lauter, dass dieser Schlag aus dem Rücken schon mal da war, vor ein paar Wochen, als mir das erste mal Schwindelig war. Jmd unterhält sich mit mir, aber ich bin irgendwo und schaffe es nur mit angestrengter Konzentration aus mir rauzukommen. Ich will aufstehen, aber das schaffe ich nicht. Jmd redet immer weiter, ich nicke, sage irgendetwas um abzulenken, damit mich keiner beobachtet und sieht das sich meine Beine nicht aufrichten, ich mich an dem Geländer nach oben ziehe und dass ich mich eigentlich gar nicht halten kann.
Ich stehe endlich, es scheint das Niemand etwas bemerkt hat, nur ist es jetzt wieder da. Ein richtiger Stromschlag und es hört auch nicht mehr auf. Wieder spüre ich immer deutlicher dass etwas Gewaltiges in mir vorgeht, was ich nicht mehr lenken kann. Irgendeine unglaubliche Willenskraft lässt mich Arbeiten. Die elektrischen Schläge aus meinem Rücken begleiten mich den gesamten Tag und ich fahre wieder zu meinem Hausarzt.

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