Mum

1940 – 2004

Wie immer um diese Zeit…:

… bin ich sehr nachdenklich. Am 7. Mai 2004 starb meine Mum und manchmal entsetzt es mich immer noch, daß sie so früh und jung verstarb. Ich ging nach ihrem Tod durch viele Phasen. Wenn ich auf einige Freunde gehört hätte, die schon sehr früh meinten, daß die Trauerphase nun abgeschlossen werden müsste, hätte ich niemals diese Erkenntnisse, diese Gedanken erlebt. Ich betrachte diese als ein Geschenk.

Ich habe niemals geheuchelt. Alles war nun nicht so toll, aber ändert auch nichts daran, daß ich sie geliebt habe……………………………………..

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In Zeiten wie diesen…

… kann es passieren, daß eine Agentur für Arbeit einen Jugendlichen nachdem er 16 wurde mit Stellenangeboten malträtiert. Angebote (mal so nebenbei) die in keinster Weise seiner Intelligenz auch nur annähern gerecht wurden. Dieser Jugendliche besucht die 10 Klasse eines Gymnasiums. Immer im oberen Leistungsniveau. In Zeiten wie diesen, ist es sein Pech daß sein Vater (alleinerziehend) ALG II Empfänger ist. In dem Haushalt lebt außerdem noch ein weiteres jüngeres Kind, auch auf dem Gymnasium. Wobei das völlig unerheblich ist, denn ein Kind sollte grundsätzlich seine eigenen berufl. Vorstellungen über sein gesamtes Leben treffen können. Nur in diesem Fall stammt dieses Kind eben auch noch aus einem Haushalt mit einer grundsoliden Bildungsbasis.

Nach Anruf beim zuständigen Sachbearbeiter wurde erklärt, daß sich dieses Kind eben jetzt im Berufsfähigen Alter befände und seinen Vater, indem es eigenständig Unterhalt verdient, finanziell unterstützen könnte, was wiederum bedeutet das diesem dann eine neue ALG II Grundlage (also weniger Kohle) berechnet wird. Ich habe schon so einiges erlebt, aber das verschlug mir mal eben die Sprache.

Es gibt ein Gesetz in diesem Land. IM § 1 Abs.3 des SGB VIII steht (keine Gewähr auf Richtigkeit):

„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Persönlichkeit und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftlichen Persönlichkeit“ Aber in Zeiten wie diesen, darf dieses mal eben mit den Füßen getreten werden??

Kurze Anmerkung: Das Kind darf jetzt weiterhin das Gymnasium besuchen, aber alleine die Aufforderungen waren nicht nur überflüssig sondern eben auch m. E. ungesetzlich. Sie haben der Familie neben Scham und Demütigung, nicht anderes als spüren lassen, daß in diesem Land wirklich jeder Freiwild ist und zu einem politischen Spielball mutieren kann, der nicht in der Lage ist für sich selbst zu sorgen. Was diese Attacken bei dem Jugendlichen und vor allem bei dem jüngeren Kind an Panik ausgelöst haben will ich gar nicht beschreiben. Auf jeden Fall Wut und Hoffnungslosigkeit betreffend ihrer eigenen Zukunft.

Der Sachbearbeiter scheint seine Quote erfüllen zu müssen, um den Volkszorn der so wunderbar von Politikern in unzähligen populistisch und  inhaltslosen öffentlichen Diskussionen geschürt wurde, gerecht zu werden. Aber lasst doch bitte den Kindern wenigstens die Hoffnung und nehmt Menschen nicht ihre Würde.

Das ist immer noch traurig…

Instant karma’s gonna get you
gonna knock you right on the head
you better get yourself together

………………………….

Instant karma’s gonna get you
gonna look you right in the face
better get yourself together darling

……………………………..

Well we all shine on like the moon and the stars and the sun
well we all shine on everyone come on

Instant karma’s gonna get you
gonna knock you off your feet
better recognize your brothers
everyone you meet

………………….. John Lennon

Sehe gerade das letzte Konzert v John Lennon und bin wieder gefangen v diesem Mann.  Ich weiß noch genau wie es war als John Lennon starb. Meine Mum kam wie üblich morgens in mein Zimmer um mir eine Kind-steh-jetzt-endlich-auf Tasse Kaffee zu bringen. Nur drückte sie mir diese nicht wie üblich in die Hand, sondern stellte die Tasse auf den Tisch. Sie sah sehr traurig aus und sagte:“Heute Nacht ist etwas Schreckliches passiert. Ein Mann hat John Lennon erschossen. Er war auf dem Weg nach Hause“

Ich kann mich exakt an diese Sätze und an das Gefühl erinnern. Ich weiß noch das die Tasse dunkelbraun war und ich erinnere mich an unser Entsetzen. An diesem Tag ging ich auch nicht in die Schule. Ich war einfach nur völlig schockiert und traurig.

Vor einiger Zeit sah ich ‚Lennon Naked‘, ein Film der semi- dokumentarisch John Lennons Verhältnis zu seinem Vater aufbereitet. Er hält sich relativ an Fakten, zumindest an die, die bekannt sind. Im Grunde genommen verließ er seinen Sohn ja eben auch. Ich halte nix v Mythen Verehrungen. Ich mag diese Zeit in der rigide an sozialen Strukturen festgehalten wurde und den Kampf eben jene aufzubrechen.

Vor allen Dingen aber mag ich John Lennon’s Musik.

Wie immer um diese Zeit…

…bin ich sehr nachdenklich. Am 7. Mai 2004 starb meine Mum und manchmal entsetzt es mich immer noch, daß sie so früh und jung verstarb. Ich ging nach ihrem Tod durch viele Phasen. Wenn ich auf einige Freunde gehört hätte, die schon sehr früh meinten, daß die Trauerphase nun abgeschlossen werden müsste, hätte ich niemals diese Erkenntnisse, diese Gedanken erlebt. Ich betrachte diese als ein Geschenk.

Ich habe niemals geheuchelt. Alles war nun nicht so toll, aber ändert auch nichts daran, daß ich sie geliebt habe. Ich saß auch niemals depressiv in einer Ecke oder habe mich abgeschottet und verkrochen. Aber ich habe sie geliebt. Meinen Freundeskreis habe ich nach einigen Monaten selektiert. Nicht weil ich böse auf meine Freunde war, eher primär weil ich mich veränderte.

Ich war eine Tochter und nun ist dort niemand mehr. Ich bin die letzte Frau XY.
Das Bewusstsein meine Mutter niemals wieder zu hören, ihre Gedanken nie mehr zu erfahren, daß es keine Veränderungen mehr in ihrem Leben gibt, tut mir manchmal heute noch weh. Und wie egoistisch das nun auch sein mag, aber ich fühle mich auch beraubt. Beraubt darüber, daß ich meine Mutter nicht im Jetzt erleben darf. Das ich niemals erfahren werde, wie sie sich in ihrem Älter werden verändert hätte. Und ich habe Fragen an sie. Fragen, die eben jetzt erst mein Leben betreffen und von denen ich vor 6 Jahren noch nichts wusste.

Ich habe einige 100 km v. meiner Mutter entfernt gewohnt und in der ersten Zeit hatte ich tatsächlich den Telephonhörer in der Hand um ihr etwas zu berichten. Ich habe dann zwar nicht gewählt, da mir rechtzeitig einfiel das sie tot ist, aber wenn mir das jemand zuvor erzählt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich habe erst vor 2 Jahren die Telephonnummer aus meinem Adressbuch gelöscht. Und ich habe mir einen neuen AB gekauft. Auf dem anderen ist noch meine Mum zu hören…

Meine Mutter kämpfte 2¾ Jahre gegen den Krebs. Von Beginn an befand sie sich im finalen Stadium. Mammakarzinom. Der Chefarzt prognostizierte noch 2, 3 Monate, keinesfalls länger. Da war schon eine offene Wunde durch die der Tumor sichtbar wurde. Aber sie kämpfte und verlängerte ihr Leben um fast 3 Jahre. Das muss einen enormen Kraftaufwand erfordert haben. Jeden Tag setzte sie sich mit der offenen, blutenden Wunde auseinander die sie selbst verpflegte. Und jeden Tag spürte sie, realisierte sie das ihr immer weniger Kraft, immer weniger Leben zur Verfügung stand. Einen jeden Tag lebte sie mit dem Tod. Dieser Tod ist so etwas Gewaltiges. So groß und endgültig. Ich mag keine Phrasen wie: Der Tod gehört zum Leben oder ähnliches. Diese Phrasen beinhalten nicht das Leben. Sie wertschätzen ein Leben nicht. Einfach nur ein hohler Satz.

Mum starb mit einem Lächeln. Und in voller Würde. Das war ihr wohl wichtig. Meine Schwester und ich waren bei ihr. Ich habe noch die letzte ¼ Stunde mit meiner Mum zusammen geatmet, da sie kaum Luft bekam. Dann lächelte sie mich an. So voller und reiner Liebe. Niemals zuvor hatte ich meine Mutter so frei gesehen.

Ich weiß noch, wie merkwürdig ich es fand, daß um mich herum der Alltag weiter ging. Wie konnte denn ein Alltag stattfinden ohne das meine Mutter an diesem jemals wieder teilhaben wird? Das sie nie wieder Alltäglichkeiten erleben wird. Nie wieder essen wird, ich sie nie wieder sehen und hören werde wie sie sich über die Nachrichten, die Politik oder alles mögliche Leben aufregen wird. Ich sie nicht mehr lachen hören werde. Ich sie nie mehr berühren werde.

Ich glaube heute zu wissen, daß ich meine Mutter mein ganzes Leben vermissen werde. Ich habe akzeptiert das sie tot ist, aber sie wird immer meine Mum bleiben.
Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo und niemand hat irgendjmd vorzuschreiben wie intensiv oder wie lange er zu trauern hat. Aber Jeder hat alle Rechte selbst zu entscheiden.
Manchmal spüre ich meine Mum ganz intensiv. Anfangs hat mir das Angst bereitet, heute ist es ok.